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16. Jun 2005

Wahlende – Qualende

Endlich, es ist so weit, Ende der Wahlkampfzeit! Gut, vor allem für die Hände derer, die sich durch überaus einfallsreiche Slogans und riesige, lächelnde Gesichter den wahlberechtigten Bürgern präsentiert haben. Diese Hände nämlich können jetzt wieder rasten. Sie waren es ja auch nicht gewöhnt, früher. Kannten das nicht, so oft zum Gruße gehoben zu werden. Früher mussten sie nie grüßen. So oft geschüttelt zu werden, mit anderen Händen, Hände, die sie bis dahin noch nicht einmal kannten oder früher einfach nie geschüttelt haben; vielleicht eben nur, weil sie noch keine Wahlkampfhände waren.
Diese armen, müden Hände können sich nun wieder verkriechen, dahin zurück, wo sie vorher waren, eventuell. In die Taschen derer, die gewählt haben zum Beispiel oder rund um die eigene Brieftasche, um sie gut festzuhalten und zu fühlen, wie sie stetig dicker wird. Oder zurück in die verlängerten Rücken derer, die in bessere Posten gewählt wurden, die ein höheres Amt erhascht haben und die ihre Hände um eine weitaus dickere Brieftasche wickeln.
Und auch der Mund kann wieder ruhen, aufhören krampfhaft zu lächeln und breit zu grinsen. Froh ist er, der Mund, dass er nicht mehr lautstark Parolen verkünden muss, an Stammtischrunden, Wirtshaustheken, Vereinsversammlun-gen und anderen gemeindepolitischen Veranstaltungen. Und erst das Hinlaufen zu all diesen Veranstaltungen! Wie sie gestöhnt haben, die Füße der angehenden Politiker, Gemeinderatsmitglieder und Bürgermeisterkandidaten! Ins Theater mussten sie laufen, zu Konzerten der Musikkapellen, ja, in die Kirche sogar. Nie beschrittene, nie begangene Böden. Nie gesehene Gesichter mussten sie sehen, die Augen. Nie gehörte Stimmen mussten sie hören, die Ohren. Nie verstandenes Gedankengut musste es verstehen, das Gehirn.
Welche Qualen für den ganzen Körper, den Menschen, den Politiker!
Aber nun kehrt wieder Ruhe ein, nun beginnt die Amtszeit. Nichts mehr müssen sie verstehen die Hirne; nichts hören die Ohren, was sie nicht wollen; nichts sehen die Augen, was ihnen nicht gefällt; nichts sagen die Mäuler, nur noch essen; nirgendwo hinlaufen die Füße, nur mehr ausruhen auf den Amtssitzen; nicht mehr grüßen die Hände, nicht mehr schütteln und winken, nur mehr auf den Amtstisch klopfen.
Endlich vorbei, diese anstrengende Zeit. Es ist gewählt! Ende der Wahlen, Ende der Qualen.

harzl



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